
Meine sehr optimistische Einschätzung meines letzten Blogbeitrags muss ich leider ein bisschen relativieren. Nein wir wurden nicht überfallen auch nicht von Polizisten erpresst. ABER
Albanien ist ein Entwicklungsland. Es ist eines der ärmsten Länder Europas und natürlich macht sich das bemerkbar. Am schlimmsten (für Tourist:innen sichtbar) ist das Müllproblem. Alles landet in der Natur. Dazu kommt der Müll, den das Meer anschwemmt. An sich gäbe es Mistkübel und auf einigen Campingplätzen sogar Mülltrennung, aber ich befürchte, das ist nur, um die Touris zu beruhigen. Eine Lösung für dieses riesige Problem ist nicht in Sicht, auch wenn der Premier Edi Rama angekündigt hat, die Müllproblematik zu zentralisieren und die Kommunen zu entlasten…
Das zweite gut sichtbare Problem ist der Bauwahn. Man kann sich nicht vorstellen, was rund um die großen Städte gebaut wird😮😮 Lauter Hochhäuser, in unterschiedlichen Fertigstellungsstadien – dabei hat Albanien grad mal 2,5 Millionen Einwohner:innen. Das Durchschnittseinkommen beträgt ungefähr € 900,- brutto (!) im Monat. Diese Wohnungen kann sich also kaum ein Inländer leisten. So wundert es nicht, dass z.B. in Tirana jede dritte (!) Wohnung leer steht. (Quelle: Instat, Statistisches Amt Albanien) Im ganzen Land (das wir gesehen haben) stehen dazu Unmengen an Bauruinen. An vielen sind „Shishtet“-Schilder (zu verkaufen) angebracht, aber nein, man baut daneben lieber was Neues.

Die Infrastruktur kommt dem rasanten Wachstum nicht nach. Die Straßen – auch die Stadtautobahnen – sind in einem verheerenden Zustand. Entweder du fährst mit 140-160 kmh (sonst kommt das Helle von hinten!) auf der linken Spur oder du holperst mit 30-50 auf der rechten, den extrem vielen Löchern, Hubbeln, Rissen, toten Tieren/Autoteilen ausweichend. Jede Stadteinfahrt ist verstopft – angeblich zu jeder Tageszeit.
Die – von der EU mitfinanzierte – A1 ist kurz und teuer. Die Benützung kostet über 6 Euro. Das bedeutet, dass nur Ausländer:innen und reiche Einheimische sie benützen. Wirklich: Die ist leer!
Ah ja: Man sollte vielleicht nicht gleich nach der Grenze tanken, wenn man noch kein Gefühl für die Währung hat, sonst kann´s einem leicht den Magen verderben…

Unberührte Natur
Auf der anderen Seite hat Albanien noch wirklich viel unberührte Natur zu bieten. Im Hinterland sind wir enge, aber sehr gute Straßen gefahren, auf denen wir nahezu die einzigen waren! Spektakuläre Aussichten, unendlich scheinende Wälder, Hänge, die mit Eseln oder Mulis bewirtschaftet werden, Wildpferde!



Naturwunder Vjosa
Die Vojsa ist der letzte (!) Wildfluss Europas. Sie ist streng geschützt und darf auf weiten Teilen frei fließen. Wir sind viele Kilometer an ihr entlang gefahren und obwohl sie ganz wenig Wasser führt, hat sie uns trotzdem immer wieder in Erstaunen versetzt. Von hellblau, über smaragdgrün, schäumend weiß, das ganze Wasserfarbspektrum ist dabei! Hört euch doch einen Podcast über die Vjosa an, es macht einfach Hoffnung und Freude!






Gjirokastra – die Stadt der Steine
Wir haben Städte eher gemieden. Aber nach Gjirokastra wollte ich unbedingt und es hat sich gelohnt! Da UNESCO-Weltkulturerbe, ist das Stadtbild geschützt. Stadt der Steine heißt sie deshalb, weil nicht nur die Häuser aus Stein gebaut, sondern auch deren Dächer mit Natursteinen belegt sind. Das schützt vor starkem Wind und hält im Sommer kühl.
Wenngleich uns der starke Touri-Andrang gewundert hat, war es nicht allzu schlimm. Immer noch gibt es Gassen, in denen man keine Touris sieht.


Einsame Strände
Es ist nicht ganz einfach, noch einsame Strände zu finden, aber es gibt sie. Auf der Fahrt in den Sünden waren wir in Shengjin- ganz am Südspitzerl. Im Sommer ist hier wahrscheinlich viel los, aber wir waren mit ein paar Vanlifern ziemlich alleine. Da es unser erster Tag in Albanien war, waren wir noch Müll-struck 🙈 Aber der Sonnenuntergang war magisch!

Auf der Rückreise machten wir Halt in der Nähe von Spille. Ein Horrorweg führte uns über einen Berg hinunter zu einem total versteckten Campingplatz, den ich nie angefahren hätte, gäbe es keine Google-Rezensionen. Und tatsächlich erwartete uns ein Mega-Strand, an dem wir mit weiteren 10 Campern vollkommen alleine waren.




Und natürlich kann man keinen Albanien-Blog schreiben, ohne Bunker zu erwähnen… Angeblich hat der freakige Diktator Enver Hoxa 750.000 davon bauen lassen!




























































