Westbalkan 2026 (Part 11) – Metaanalyse zur Halbzeit

Westbalkan 2026 (Part 11) – Metaanalyse zur Halbzeit

Heute hab ich leider keine Fotos für euch 😉

Angekommen in Gjirokastra (Albanien), am südlichsten Punkt unserer Reise – ab jetzt geht´s wieder „hinauf“, ist es Zeit ein Zwischenresumée zu ziehen. Unsere – also vor allem meine – größten Bedenken galten – in dieser Reihenfolge: den Straßen, den Ausscheidungsmöglichkeiten, der Sicherheit und dem Essen.

Straßenqualität

Im Großen und Ganzen ist die Qualität der Straßen überall dort wo wir gefahren sind, völlig in Ordnung. Hier in Albanien sind die SH (Überlandstraßen) zwar oft schmal, aber meistens in guter Qualität. Die Autobahnen sind größtenteils neu und was nicht neu ist, gehört mit Vorsicht befahren, da Schlaglöcher oder Huppel durchaus vorkommen. Diejenigen, die das Tempolimit von 90 kmh einhalten, sind Westler wie wir oder ihre Karre kann nicht schneller. Nebenstraßen sind nicht zu empfehlen, es sei denn, man fährt einen 4×4 oder ein Leihauto.

In Städten herrscht mediterranes Chaos: Parken in 2. und 3. Spur, rausfahren, wenn man will, nicht wenn´s geht. Dafür wird man auch nicht geschimpft, wenn man lost an einer Kreuzung steht und Google Maps sich nicht entscheiden kann.

In Albanien gilt im Verkehr das Recht des Stärkeren. Wer zögert, verliert. Der Blinker ist nonexistent. Jemanden freiwillig einreihen oder überholen lassen: Schwächling. Hat sicher bei Kastrati getankt:

Ein Mercedes muss es sein, auch wenn er 750.000 km hat und ein halbes Lebenseinkommen gekostet hat. Geländefahrzeuge sind hier (noch?) nicht angekommen. Dabei wären sie hier wirklich sinnvoll… Wer sich keinen Mercedes leisten kann, muss aber unbedingt einen VW haben. Im restlichen Balkan ist das Auto der Wahl der BMW. Marketing oder irgendein kulturelles Dings, ich weiß es nicht. Autowaschen ist hier Pflicht. Lavazh gibt es wirklich unendlich viele. Und Autowerkstätten (sic!).

Polizei steht auch viel rum. Plaudert, raucht. Hält keine EU-Ausländer auf. Keine Ahnung, woher das Gerücht kommt, die würden einen abzocken. (Aber wir haben ja nicht die Retour-Strecke…)

Ausscheidungsstätten

Ich hab ja jetzt schon ganz viele internationale Häusln besprochen. Und ich sage euch: im gesamten Gebiet, das wir durchfahren haben: nicht immer schön, aber immer gepflegt, immer absperrbar (nicht selbstverständlich), immer zumindest 1 für beide Geschlechter, immer Klopapier (!), immer Wasser zum Händewaschen mit Seife! Da können sich die Sardinier:innen, die Südfranzösen-und -ösinnen und die Italiener:innen auf jeden Fall VIEL abschauen!

Safety

Wir haben uns NIE unsicher gefühlt. Grenzübergänge haben uns am meisten gestresst. Und gestern bei einem Spaziergang, wo wir an einer Kuhherde vorbei mussten, war uns auch ein Wenig mulmig. Und ein einziges Mal in Albanien, gleich nach dem Grenzübergang, waren wir recht schockiert über den großen Unterschied zu Montenegro. Die Müllproblematik ist hier wirklich extrem und auf der Straße waren ausschließlich Männer zu sehen. Das hat sich aber im Laufe unserer weiteren Reise komplett gelegt. Ok, wir stehen nie auf freiem Feld, sondern immer auf Campingplätzen, weil die wirklich billig sind und das Ausscheidungs- und Körperhygieneproblem halbwegs elegant lösen.

Die Menschen sind freundlich. Hier in Albanien deutlich herzlicher. Nie hatten wir das Gefühl, in eine auch nur annähernd gefährliche Situation geraten zu können.

Fleisch essen

Dass dies keine vegetarisch-kulinarische Entdeckungsreise wird, war im Vorhinein klar. Dass es aber nahezu keine Hauptspeisen ohne Fisch oder Fleisch gibt, hat mich schon erstaunt. Erst heute – nach 14 Tagen – haben wir in Gjirokastra im Wirtshaus Gefüllte Melanzani, Reisbällchen und Spinatburek bekommen (eigentlich alles Vorspeisen, aber ok). Als Vegetarierin kannst du Salat und Pommes essen. Oder Pommes mit Salat. Die Pommes sind dafür frisch gemacht. Vielleicht lag es aber auch an der Sprachbarriere und daran, dass wir kaum in Städten, sondern nur in sehr ruralen Gegenden waren. Das Essen war mehrheitlich sehr gut.(Noch) keine Speiberitis, Durchfall sowieso nicht: freiwillig gibt mein Körper nix her.

Erstaunt haben uns die Preise in Montenegro am Meer. Südfrankeich-Niveau würde ich sagen…

Scampi und Tintenfisch in Montenegro um wohlfeile 120 Euro – ohne Wein, dafür mit echt geiler Polenta!

Halbzeit-Fazit

Alle Unkenrufe haben sich als Vorurteile herausgestellt. Wir haben großartige Natur, freundliche Menschen und völlig okaye Sanitäranlagen vorgefunden. Ich kann nichts Negatives sagen. Im Gegenteil: Sogar das Internet funktioniert hier nahezu überall. Ganz im Gegenteil zu vielen anderen Gegenden, wo wir schon waren, z.B. in Entwicklungsländern wie Deutschland😉

Gute Nacht sagt Gjirokastra

Westbalkan 2026 (Part 10) – Nationalpark Skutarisee

Westbalkan 2026 (Part 10) – Nationalpark Skutarisee

Nach dem Trubel in den stark touristifizierten Gegenden rund um Mostar, nehmen wir die nächste Panaromastraße, um an den Skutarisee (Shkodrasee oder Skadarsko Jezero) zu gelangen. Wieder sind die Ausblicke fantastisch, die Bergstraße (gsd.) in ausgezeichnetem Zustand.

Wir schrauben uns hoch hinauf und steil wieder bergab. Die letzten 7 Kilometer sind wieder was für den Adrenalinspiegel: Eine „Straße“, die grad mal Platz für 1 Auto lässt, die nur aus Kurven besteht, aber glücklicherweise nur von uns und zwei entgegenkommenden Einheimischen benützt wird, die wissen, wo man ausweichen kann.

Der Mann wirft mir vorwurfsvolle Blicke zu („Wo du mich immer hinverzahst!“) Aber bald wird er belohnt! Der Campingplatz am Rijeka Cronjevica ist nicht mehr als eine riesige Wiese am Flussufer mit sehr notdürftigen Notdurftsgebäuden. Von der Rijeka aus kommt man ca. in 15 Bootsminuten zum Skutarisee.

alte brücke am Campingplatz
skutarisee

Schon eine halbe Stunde nach unserer Ankunft sitzen wir in einem Boot, das uns den Fluss entlang zum Skutarisee bringt – nicht ohne beeindruckende Abstecher, mal mitten durch den Schilfgürtel, mal in einen Nebenarm, dessen Schwemmland von Bauern als Sommerweide für Ziegen, Rinder und Schafe genützt wird.

Den See teilen sich Montenegro und Albanien. Es ist der größte See der Balkanhalbinsel und ein UNESCO Biosphärenreservat, das 280 Tier- und Pflanzenarten beheimatet – 20 davon kommen sogar nur hier vor!

Unser Guide erzählt uns, dass er in den 15 Jahren, die er hier arbeitet, noch nie einen so niedrigen Wasserstand erlebt hat. Noch ein paar Tage ohne Regen und er kann seine übliche Runden nicht mehr fahren. Heuer hat es nahezu überhaupt nicht geregnet. Nächste Woche soll Regen kommen, aber er glaube erst dran, wenn es soweit sei. Zu oft wären die Wolken gar nicht gekommen oder hätten sich trockenen Fußes wieder verzogen. Wir haben Glück und können noch alle sehenswerten „Stellen“ befahren.

skutarisee

Es fühlt sich an, als wären wir die einzigen Menschen auf Welt!

Am nächsten Tag erst, als wir die andere Strecke zur Weiterfahrt nützen, kann man von oben sehen, wie gewaltig (und das ist nur ein Mini-Ausschnitt!) dieses Naturparadies ist!

skutarisee von oben
skutarisee mäander
skutarisee von oben

Nach Montenegro wird´s ein bissl exotischer: Wir überqueren die Grenze zu Albanien. Ein bisserl nervös sind wir schon…

Westbalkan 2026 (Part 9) – Dubrovnik, Kotor und der Massentourismus-Horror

Westbalkan 2026 (Part 9) – Dubrovnik, Kotor und der Massentourismus-Horror

In Dubrovnik waren wir nur deshalb, weil wir eh schon in der Gegend waren. Wir hielten es auch nur ein paar Stunden dort aus. Trotz Nebensaison wird Dubrovnik immer noch von mindestens 2 Kreuzfahrtschiffen am Tag angefahren. In der Altstadt, die wirklich sehr sehenswert, aber nicht packbar ist, geht man Schulter an Schulter mit Unmengen an Amerikaner:innen, Japaner:innen usw. Man kommt praktisch kaum dazu, sich was anzusehen, denn immer ist irgendwo ein instagrammable Ort, an dem die Menschen Schlange stehen, um etwas zu bewundern, was not-insta-People nicht verstehen. Es staut sich auf allen Sträßchen und Gässchen.

Die Franjo Tudzmann Brücke nach Dubrovnik
Dubrovnik Burg von außen
Festung Lovrjenak von außen -alias Königsmund (Game of Thrones)

Für die 40 Euro pro Person, die ein Walk auf der Stadtmauer gekostet hätte waren wir uns auch zu sierig, die 2 Euro fürs Klo nahmen wir Notdurft-gedrungen in Kauf. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz unseres WoMos haben wir eine ausgezeichnete Bowl gegessen und dann nichts wie weg!

Panorama Highway

Die Fahrt von Dubrovnik zu unserem nächsten Ziel – einer Bucht vor Kotor – war mehr als spektakulär! Gottseidank eine wunderbar ausgebaute Straße, die sich den Berg hinaufschraubt und dabei immer wieder den Blick auf kleine Buchten und Inseln im glitzernden Meer!

Ruheoase Jošice

Am kleinen Campingplatz vor den Touristen-Hotspots Kotor, Perast und Tivat machen wir eine Infra-Pause: Wäsche waschen (6 Euro per Waschgang!), Sport, Neuordnung. Schwimmen im Meer – kalt aber superklares Wasser. Noch nie war ich auf einem Campingplatz, der so sauber war wie dieser 😇

Martin macht den strategischen Fehler, sich am Vorabend der Abfahrt beim Zahlen mit der Eigentümerin zu unterhalten – erst 3 Schnäpse später entlässt sie ihn 😵‍💫

Auf Anraten des Chefes nehmen wir eine kleine Fähre und ersparen uns so mühsame Küstenkilometer. Wir fahren direkt zum Cablecar nach Kotor. Um 9.30 ist dort noch kaum was los. Um wohlfeile 40 Euro fahren wir auf den Gipfel des Kuk auf 1340 m Höhe. Wir staunen nicht schlecht, wie „ausgebaut“ dieser Berggipfel ist – Leogang nix dagegen… Aber die Aussicht ist phänomenal! Wir haben eine Übersicht über das gesamte Gebiet – sehen, dass in Kotor gerade 4 (!) Kreuzfahrtschiffe unterwegs sind. Es ist so umwerfend, dass neben uns eine Deutsche beinahe in Ohnmacht fällt. Wir leisten Hilfe und Zuspruch. Dann machen wir uns wieder auf den Weg hinunter und sind froh, dass wir das Getümmel hinter uns lassen können.

Es geht in den Nationalpark Skutarisee…

Westbalkan 2026 (Part 8) – Kravica Wasserfälle

Westbalkan 2026 (Part 8) – Kravica Wasserfälle

Viele Menschen fragen mich (inklusive mir manchmal), warum ich mir diese WoMo-Touren antue. Die Kravica Wasserfälle in Bosnien-Herzegowina liefern einen der vielen Gründe. Wenn die Unmengen an Tagestouristen verschwunden sind, gehören einem die Wasserfälle (fast) ganz alleine 🤩

Der Wo-Mo-Standplatz dahinter hat zwar weder Dusche noch WC (haben wir ja im Bus, Duschen fällt aus, Baden im 10 Grad kalten Wasser macht auch frisch :-), aber das Wasser der Trebižat, an dem wir stehen, ist so klar und so smaragdfarben, das ist einfach unglaublich! Seht selbst!

Man kann praktisch nicht nicht hineingehen! Wir sehen Eisvögel, Ringelnattern, jede Menge kleiner und größerer Fische. Abends herrscht absolute Stille, nur der Wasserfall rauscht.

Westbalkan 2026 (Part 7) – Mostar – Wenn Krieg ein Gesicht und eine Stimme bekommt

Westbalkan 2026 (Part 7) – Mostar – Wenn Krieg ein Gesicht und eine Stimme bekommt

Wann immer möglich, nehmen wir nicht die Autobahn. So sehen wir viel mehr vom echten Land. Auf dem Weg von Sarajevo nach Mostar fahren wir den großen Fluss Neretva entlang. Eine herrliche Landschaft, karstiges Gebirge – Winnetou lässt grüßen (wurde angeblich wirklich hier gedreht.)

So schön – mittlerweile bunt gefärbt – die Landschaft auch ist, am Stausee Jablaničko macht sich das gesamte Ausmaß der Trockenheit massiv bemerkbar. Boote und Schwimmplattformen liegen auf dem Trockenen, Sprungtürme können nur noch von Suizidgefährdeten genützt werden. Hotels und Zimmervermieter haben geschlossen, Boote die am Steg privater Datschen angebunden sind, baumeln im Sand.

Nach dem Stausee darf die Neretva wieder frei fließen – da fällt der Wassermangel nicht mehr ganz so auf. Wir campieren ganz in der Nähe von Mostar am Wasser. Auch wenn die Neretva nur um die 10 Grad hat – das Wasser ist so klar, da muss ich hinein!

Stadtführung der besonderen Art

Am selben Nachmittag lassen wir uns mit dem Taxi nach Mostar bringen. Wir haben eine Stadtführung mit Sheva gebucht. Da Nebensaison und Nachmittag, sind wir nur eine kleine Gruppe von 10 Menschen. Es ist angenehm warm, keine 35-40 Grad wie im Hochsommer. Sheva ist Führungen in der Hitze gewöhnt und führt uns von einem Schattenplatz zum nächsten. Er ist eigentlich Tischler, will uns aber seine Heimatstadt näherbringen und durchaus auch seine Sicht darauf, was sich hier zwischen den Kriegsparteien abgespielt hat. Er hat selbst gekämpft in der bosnisch-herzegowinischen Armee.

In einwandfreiem, schnellem Englisch führt er uns vom Hamam Museum (hat nix mit dem Bad zu tun, sondern zeigt künstlerische Arbeiten zum Jugoslawien-Krieg) über die „Krumme Brücke“ zur berühmten Stari Most, der Alten Brücke (die eigentlich jpnger ist als die krumme). Hier springen einmal pro Woche professionelle (und weniger professionelle) Menschen in die Neretva, 24-28 Meter in die Tiefe. Wer das nicht im Suff sondern ganz offiziell tun will, muss sich einer Prüfung des Diving Clubs sic!) unterziehen. Wird die Erlaubnis erteilt, so muss mann (sind zu 99% Männer) sich nicht nur trauen, sondern auch noch schön springen 🙈

Es hält sich übrigens hartnäckig das Gerücht (auch auf Wikipedia), dass die Alte Brücke die Stadt in zwei Teile teile. Das stimmt nicht. Die Stadt war einst geteilt, aber entlang einer großen Straße, die 500 Meter entfernt verläuft (über die schmale, steile Brücke hätte gar keine Versorgung erfolgen können) . Was schon stimmt ist, dass die Kroaten in einem Akt der grausamer Willkür die über 500 Jahre alte Brücke in die Luft sprengten. Nicht aus versorgungsstrategischen Gründen, sondern aus reiner Bosheit und um die Moral der Mostaer:innen zu erschüttern. (Die Verantwortlichen wurden später übrigens wegen dieses Kriegsverbrechens verurteilt.)

Sheva erzählt uns von der Belagerung der Stadt, wie Kroat:innen, Serb:innen (!) und Bosniak:innen Seite an Seite an Seite die Serben und die Jugoslawische Armee daran hinderten, die Stadt einzuschließen. Er erzählt aber auch von den Serbischen Snipern, die von den umliegenden Bergen gezielt Menschen erschossen, die sich im Tageslicht auf die offenen Straße wagten.

Die Eskalation mündete schließlich im Massaker von Srbrenica, wo 8.000 bosnisch-muslimische Männer ermordet wurden. Der „Tag des weißen Bandes“ jeden 31.Mai erinnert heute noch an die Massendeportationen und das Massaker.

Sheva beendet die Stadtführung am Friedhof von Mostar. Er habe hier früher Fußball gespielt, es sei ein ganz normaler Park gewesen. Aber die vielen, vielen Toten musste schnell begraben werden. Sie mussten es in der Nacht tun, um von den Heckenschützen nicht gesehen zu werden. Während er das erzählt, lehnt er auf einem Grabstein. Jenem seines besten Freundes…

Wir können nicht alles, was uns Sheva erzählt hat nachprüfen. Seine Verklärung Titos ging uns ziemlich auf die Nerven. Aber selten haben wir Geschichte so eindringlich und ehrlich vermittelt bekommen!

Ein Gebäude aus der österreichisch-ungarischen Monarchie, zerstört im Krieg, geblieben als Mahnmal.

Westbalkan 2026 (Part 6) – Sarajevo, eine frostige Geschichte

Westbalkan 2026 (Part 6) – Sarajevo, eine frostige Geschichte

Selten so eine interessante, vielfältige, schirche Stadt besucht. Bei frostigen 6 Grad aufgewacht, wir stehen sehr weit oben auf einem Berg und schauen auf die dunstige Stadt. Zu Fuß machen wir uns auf – also eigentlich ab – in die Stadt. Nur um gleich wieder denselben Berg raufzufahren mit einer Gondelbahn.

Leider musste wir die Pistolen an der Garderobe abgeben…

Dort oben gleich das erste Highlight: die verfallene Bobbahn der Olympischen Winterspiele 1984. Ein Lost-Place, wie es pittoresker nicht geht!

Museum der Kindheit im Krieg

Auf das High folgt ein emotionales Low. Wir gehen durch die Altstadt zum kleinen „War Childhood Museum“. Ins Leben gerufen von Jasminko Halilović, der selbst seine Kindheit im Krieg verbringen musste, vereint es Objekte und Texte, die davon erzählen, wie es war, in Sarajevo während des Jugoslawienkrieges Kind zu sein. Mittlerweile nimmt das Museum auch Objekte von Kindern aus aller Welt auf. Derzeit sind auch Objekte von ukrainischen und palästinensischen Kindern zu sehen.

Sarajevo war übrigens mit 1.425 Tagen (fast 4 Jahr!) die im 20. Jahrhundert am längsten belagerte Stadt. Die Bevölkerung wurde durch einen Tunnel und eine NATO-Luftbrücke notdürftig versorgt. Mehr als 11.500 Menschen starben alleine in Sarajevo. Der Jugoslawienkrieg kostete 100.000 Menschen das Leben.

Für uns war das ein ganz schwieriger Besuch. Gut, dass an einigen Tischen Taschentücher zur Verfügung standen…

Ein verbranntes Buch – alles was einem dieser Kinder von zuhause blieb…

Stadtführung mit Ibrahim

Wir buchten eine Free-Walking-Tour. Das ist wirklich empfehlenswert! Gegen ein Trinkgeld führen dich sehr fachkundige Einheimische durch ihre Stadt. Ibrahim zeigt uns einige der sehr zahlreichen Moscheen der Stadt (es hat uns überrascht, wie viele Moslems in Sarajevo leben!), das Rathaus, das ein österreichisch-ungarischer Architekt geplant hat und von den Serben von den umliegenden Bergen beschossen wurde, die Altstadt (mit unfassbar vielen Klumpert-Ständen), die Steine, die die Grenzen zwischen ottomanischem, österreich-ungarischem und jugoslawischen Teil der Stadt markieren.

Am beeindruckendsten aber fand ich jenen Ort, an dem Gavrilo Princip das Attentat auf Franz Ferdinand und Sophie verübt hat. Man kann sich praktisch in seine Fußstapfen stellen. Ein unfassbar folgenschweres Ereignis, 40 Staaten wurden in den Krieg hineingezogen, 17 Millionen Menschen starben. In Jugoslawien wurde ein Königreich ausgerufen, das nicht allzu lange gewährt hat. Ibrahim, unser Guide verstieg sich sogar zur Hypothese, dass dieses Attentat bis heute wirkt… Niemand widersprach.

Markierung woe Gavrilo Princip stand

Westbalkan 2026 (Part 5) – Sonderprüfung 2 geschafft 😮Anfahrt nach Sarajevo

Westbalkan 2026 (Part 5) – Sonderprüfung 2 geschafft 😮Anfahrt nach Sarajevo

Never trust your Navi. Wissen wir eh schon aber Stadtplan hamma keinen…Unser Plan ist, in Sarajevo einen bestimmten Campingplatz hoch über der Stadt zu finden. Sarajevo war einfach. Der Rest dann nicht so.

Das Navi lässt uns von einer eh schon schmalen Straße steil bergauf abbiegen. Es wird stieler, enger, noch enger, die Hausmauer haben schon Farbstreifen. Und dann schaffts der Bus nur ganz knapp, mit durchdrehenden Reifen grad mal so den Hügel hinauf. Schweiß, Herzrasen. Der Ton im Auto wird lauter. Nach hinten wegrutschen ist definitiv keine Option.

Nein, hier können wir nicht weiterfahren. Also irgendwie wieder runter. Das Navi besteht auf die engen Gassen, wir nicht. Wir suchen einen anderen Weg, finden einen, wieder die enge Gasse nur von der anderen Seite…

Zwischendurch ein neues, komisches, nicht erwünschtes Geräusch von rechts hinten. Kümmern wir uns später drum…

Nach eineinhalb Stunden Rumkurverei, mit 3 Navis (Google, Bus, Apple Maps) gelingt es uns, den richtigen, den für Busse fahrbaren Weg zu finden. Wir entspannen uns und Martin schaut mal kurz unters Auto. Und wird fündig. Der ordentliche Mann hat bei der Kontrolle des Ersatzreifens irgendein Werkzeug stecken lassen. Nach 1.000 km wollte es dort nicht mehr bleiben und hat sich gemeldet. War eh nur ein 20 cm langes Eisentrumm 🙈

Morgen gibt´s eine Bericht über Sarajevo. Eine wirklich interessante Stadt! (Heute 18.000 Schritte, da geht nix mehr!)

Westbalkan 2026 – Banja Luka: kann man, muss man nicht (Part 4)

Westbalkan 2026 – Banja Luka: kann man, muss man nicht (Part 4)

Es folgt ein ödes Stück Autobahn, eine kleine Verirrung und schon sind wir an der Grenze zu Bosnien-Herzegovina. Der Grenzbeamte schaut den Umständen entsprechend ernst: „Carpaper! Where you go?“ Äh, Baja Luka? (Warum bekommt man angesichts eines Verwaltungsorgans sofort ein schlechtes Gewissen, obwohl man gar nichts angestellt hat?) „Ok, you can go!“ Auch das geschafft. Auch der zweite Beamte winkt uns durch. Grenzkontrollen in Europa sind wir halt einfach nicht mehr gewöhnt!

grezne bosnien herzegowina

Die e-Sim funktioniert einwandfrei und schon stehen wir in Banja Luka im Stau. Lieblingsbeschäftigung der Banja-Lukar:innen ist Spurwechselballett. Von oben hat das sicher was Poetisches, von unten wirkt es lächerlich, weil komplett nutzlos. Parken kann man hier ein Moped. Eventuell. Einen Bus nicht. Also steuern wir gleich unseren nächsten Schlafplatz direkt am schönen Fluss mit dem schirchen Namen Vrbas an. Hier alles in Ordnung. Schon sind die Füße im kühlen Flusswasser – was für ein Temperaturunterschied zum Schwimmteich in Gamlitz 🥶

Die Währung heißt hier übrigens „BAM“ – ja wirklich! Die Bosnische Konvertible Mark ist ca. die Hälfte des Euro wert. Die Lebensmittel kosten ca. 1/3 weniger als bei uns, der Diesel ca. 10% weniger. Bei einem Durschnittseinkommen von 835,-Euro ganz schön heftig…

Die Straßen sind größtenteils sehr ok und für die nagelneue, von der EU finanzierte Autobahn, die niemand außer uns und internationalen LKW benutzt, muss man eine doch halbwegs üppige Maut berappen.

Banja Luka

Wir fahren mit dem öffentlichen Bus um je 2,5 BAM nach Banja Luka – der Hauptstad der Republik Srpska – zurück und schauen uns die berühmte Ferhadija-Moschee (schön aber klein), das Rathaus (lässt uns so ratlos zurück, dass wir es nicht mal fotografiert haben), die Christ-Erlöser-Kirche (toll) und den Präsidentenpalast (sehr beeindruckend hässlich) an. Im Tvrdava (nein kein Schreibfehler!)-Kastel essen wir sehr gut (juhu, es gibt auch was Vegetarisches!) und relativ günstig (€ 45,- für 2 mit Bier und Wein) zu Abend. Die Festung liegt ebenfalls am Vrbas. Alles in allem kann man sagen: Banja Luka kann man machen, muss man nicht.

Alexandra verschleiert

Moschee innen
moschee innen 2
kirche
Christ-Erlöser-Kirche
präsidentenpalast
Der Präsidialpalast

Essen im Kastell

Kastell
vrbas am abend
Abendansicht der Vrbas vom Kastell aus

Mensch und Maschine

Die Menschen, die uns hier begegnen sind auf den ersten Blick eher frostig. Aber wenn man ein paar nette Sätze auf Englisch mit ihnen gewechselt hat, entpuppen sie sich als sehr herzlich.

Angesichts der niedrigen Einkommen fragt man sich schon, wie man so viel Geld in PS-Haltiges stecken kann. Die Autos sind größtenteils viel besser im Zustand als die Häuser. Selten so viele BMW gesehen -hallo Klischee! Jedes Motorrad hat mindestens einen gepimpten Auspuff, je lauter je cooler?! Es gibt hier sogar mehr Autowaschcenter als Supermärkte. Überholt wird wo man kann, nicht wo man darf. Selbst der Busfahrer tritt hemmungslos das Gaspedal, 60 im Ortsgebiet ist was für Wessi-Weicheier.

Dafür sieht man sehr viele Friedhöfe. Ob hier eventuell ein Zusammenhang besteht?!

Westbalkan 2026 – Erste Sonderprüfung erfolgreich absolviert (Part 3)

Westbalkan 2026 – Erste Sonderprüfung erfolgreich absolviert (Part 3)

Nach einer gemütlichen Nacht im kroatischen Storchendorf und einem kleinen traditionellem Frühstück  – wohlgemerkt für eine Person! – machen wir uns auf den Weg Richtung bosnische Grenze. Immer der malerischen aber sehr niedrigen Save entlang.

Rallye-Etappe

Wir überlassen die Routenführung dem Bus-Navi, da wir Google Maps nicht 100%ig vertrauen. Das führt dazu, dass wir nach 20 Minuten auf eine unbefestigte „Straße“ geleitet werden. Wir fahren mitten durch den Nationalpark, scheinbar auf dem Ranger Trail. Nur dass wir halt keinen Range Rover sondern einen 3,5 t Bus haben. Der Weg wird zunehmend rauer. Wir fahren zwischen 3 und 10 km/h immer weiter in den Wald hinein. Google Maps schmollt, Internet ist natürlich auch futsch. Und dann verliert auch noch das Bus-Navi den Weg und wir gurken im Niemandsland herum.

Hier eine Reifenpanne, das wär mal eine echte Herausforderung für den ÖAMTC-Schutzbrief! Mal muss ich aussteigen, um einen in den Weg ragenden Ast wegzutragen, mal fahren wir mit Bauchweh über ein Wildgitter im Boden, hoffend, dass wir nicht zu schwer sind. Ah! Google ist wieder da. Nur noch 4km… noch 3… der Schotter wir wieder zum „Asphalt“, wobei nun tiefe Löcher die Fahrt spannend halten. Umdrehen wäre eher ungünstig mit 4,6m Länge auf einer einspurigen „Fahrbahn“.

Doch schließlich taucht ein Haus auf, mehrere, ein Ort! Wir sind wieder in der Zivilisation. Die drei alten Frauen, an denen wir vorbeifahren, packen´s gar nicht. Wir jubeln; die Sonderprüfung ist geschafft! Alle Reife haben noch Luft! Yes, we got this!

Westbalkan 2026 – vom der Südsteiermark ins kroatische Nirwana (2)

Westbalkan 2026 – vom der Südsteiermark ins kroatische Nirwana (2)

Wir haben in Gamlitz beim Weinlandhof hervorragend gegessen und am WoMo-Stellplatz beim Motorikpark wunderbar geschlafen. Aber das echte Highlight war der Schwumm am Morgen in dem kleinen See. Zunächst stieg noch der Nebel auf – ein Indiz dafür, dass das Wasser noch warm war. Also nichts wie hinein. Es war großartig – sicher noch 20 Grad. Sogar der Warmduscher-Mann ist eingetaucht ohne zu sterben 🙂

Südsteirische Weinstraße

Dann machten wir uns auf den Weg zu Vinothek 🙈 (nichts bei geringer Widerstandsfähigkeit). Wir schafften es mit nur einer Kiste Wein und ein paar Kleinigkeiten raus. Dank des Uncharmes der Verkäuferin fiel es uns nicht alllzu schwer. Weiter gings durch Gamlitz (sehr süß) über das Sulztal nach Ratsch und dann nach Glanz.

Schilcher- und Isabella-Sturmmmmmh!

Plötzlich in Slovenien

Ein Bergerl runter und schon waren wir in Slovenien. Ist uns nur aufgefallen, weil unsere Handys gepiepst haben und aus aufs gratis Roaming aufmerksam gemacht haben. (Und die Häuser waren schircher…)

Autobahnvignette gekauft und durch. Über die E70 Richtung Zagreb. Und schon waren wir an der nächsten Grenze. Auch wenn die Kroaten es nicht gerne zugeben, dass sie schon Balkanbewohner:innen sind, Wikipedia ist da erbarmungslos.

Wikipedia_Captain Blood

Auf der Suche nach einem Standplatz für die Nacht sind wir mitten im kroatischen Niemandsland fündig geworden: in Čigoć im Naturreservat Lonjsko Polje auf einem mini Campingplatz mit traditionellem Restaurant, wo wir natürlich Cevapcici und Plescavica (sorry aber das mit den Sonderzeochen ist mir zu mühsam…) gegessen haben. Hier kann man in der Saison wohl jede Menge Störche bewundern. Jetzt sind keine da, wahrscheinlich schon alle auf dem Weg nach Afrika…

Wir sind die einzigen Gäste hier, für ein Restaurant, das locker 100 Leute beherbergen kann. Rund um uns sind Felder und alte, traditionelle Bauernhöfe. Ich gebe zu, es stinkt ein bissi…Aber die Gastgeber sind super freundlich und die rustikale Dusche spendet heißes Wasser.

Auf die Cevapcici im Fladen muss natürlich ein Pelincovac folgen. (Und auf den Pelincovac ein Fenchel-Tee im Bus 🙈)

Morgen geht´s über die Grenze nach Bosnien nach Banja Luka.

Übrigens: Bis jetzt wurden wir noch nicht bedroht, beraubt oder auch nur aggressiv angeschaut…